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Die Insel
eBook - Ein spannender Küstenkrimi um den Ermittler Steve Cole, Ein Fall für Steve Cole-Reihe, Neuausgabe / New edition, Neuausgabe / New edition
Beschreibung
Eine persönliche Tragödie, ein tödlicher Plan, eine Insel im Würgegriff – der Ermittler gelangt an seine Grenzen
Der vierte Band der spannenden Küstenkrimi-Reihe rund um Steve Cole
Seit dem Verlust seiner großen Liebe ist Steve Cole fest entschlossen, den Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Er reist nach Brighton, wo er mit seinem Freund Superintendent Matt Frazer die Spur des Täters aufnimmt. Doch was als persönliche Suche beginnt, weitet sich bald zu einer weitreichenden Ermittlung aus, die ihn schneller zurück nach Alderney zwingt, als ihm lieb ist.
Während Cole den Mörder jagt, braut sich auf der kleinen Kanalinsel ein mörderischer Sturm zusammen: Fremde tauchen auf, alte Feinde regen sich – und die kommenden Ereignisse drohen die ganze Insel ins Chaos zu stürzen. Zwischen Rache, Loyalität und einer sich anbahnenden Katastrophe muss sich der Chief Inspector entscheiden, wem er trauen kann – und wie weit er bereit ist, zu gehen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen …
Erste Leser:innenstimmen
„Ein weiterer fesselnder Band der Krimi-Reihe rund um den Ermittler Steve Cole, der mich von der ersten bis zur letzten Seite in Atem gehalten hat."
„Endlich ein weiterer Kriminalfall auf Alderney! Wie gewohnt mit einer packenden Handlung, vielschichtigen Charakteren und einem grandiosen Finale, das sich gewaschen hat.“
„Dieser nervenaufreibende Ermittlerkrimi überzeugt nicht nur durch jede Menge Spannung, sondern vor allem auch durch die persönliche Entwicklung des Inspektor Steve Cole.“
„Volker Dützer liefert erneut einen meisterhaften Küstenkrimi, dessen düstere Atmosphäre und unerwartete Wendungen mich komplett in den Bann gezogen haben.“
Leseprobe
1
11. Oktober, Southwark
Die Mutter am linken Spurstangenkopf des alten Datsun 280 ZX widerstand hartnäckig allen Versuchen, sie zu lösen. Der ölverschmierte Schraubenschlüssel rutschte ab, Ray riss sich den Handrücken auf.
„Bloody hell!“, fluchte er.
Ein hämisches Kichern kroch aus einer Ecke der kleinen Autowerkstatt im Süden des Londoner Stadtteils Southwark.
Ray fuhr herum und leckte sich das Blut ab.
Murat Yildiz, der Besitzer von Murat’s Motor Works, lehnte an der Stütze der Hebebühne und zündete sich einen seiner stinkenden Zigarillos an. „So wirst du die alte Karre niemals zum Laufen bringen“, sagte er.
„Wart’s doch ab. Wenn ich mit dem ZX fertig bin, wird er aussehen, als wäre er gerade vom Band gelaufen.“
Murat grinste. Der Zigarillo wanderte von einem Mundwinkel zum anderen. „Falls dieses Wunder eintritt, gebe ich einen aus, Kleiner. Aber der Tag wird nie kommen.“
Das Telefon auf dem Tisch in seinem Büro klingelte. Murat drehte sich kopfschüttelnd um, versenkte die Hände in den Hosentaschen seines schmierigen Overalls und stieß die Glastür mit der Hacke hinter sich zu.
„Er wird fahren“, murmelte Ray. „Die Leute werden sich nach ihm umdrehen, wenn er vorbeirollt.“ Er hob den Schraubenschlüssel auf und fixierte die störrische Mutter mit einem mörderischen Blick. „Und nun zu dir.“
Er kam nicht dazu, seiner Drohung Taten folgen zu lassen, denn eine helle Stimme lenkte ihn ab.
„Könnte mir jemand helfen? Was immer hier drin ist, wiegt ’ne Tonne.“
Ray wandte sich um. Das bestellte Ersatzteil war gekommen. Noch größer als seine Freude darüber war die Aufregung, wer es brachte. Hinter dem schwankenden Paket lugte eine rote Lockenpracht hervor. Sein Herz schlug schneller. Die Locken gehörten zu Tessa Fox – dieser Name stand zumindest auf dem Namensschild an ihrer Jacke. Ray nannte sie in Gedanken Foxie – wegen ihrer dunkelroten Haare, die sie an den Enden schwarz gefärbt hatte. Foxie arbeitete für FedEx und erzeugte ein heißes Kribbeln in seinem Bauch. Sonst wusste er nichts über sie, weil er nie die richtigen Worte fand, um mit ihr ins Gespräch zu kommen.
Mit Autos kannte er sich aus. Sie waren einfache Maschinen, deren Funktionsweise er intuitiv begriff. Seine Mitmenschen, vor allem die Sorte mit roten Locken und blauen Augen, stellten seinen Verstand vor weitaus größere Schwierigkeiten.
„Warte, bin schon da.“
Er legte den Schraubenschlüssel auf den Werkstattwagen und griff nach dem Paket. Seine Fingerspitzen berührten die ihren für eine Sekunde oder zwei. Ihm wurde heiß und schwindelig. Wie eine ungeheure Datenflut, die über einen Computermonitor raste und von dem zugehörigen Elektronengehirn ebenso schnell verarbeitet wurde, konnte Ray in den meisten Menschen lesen wie in einem offenen Buch. Er wusste nicht, woher diese ungewöhnliche Gabe stammte, und hatte sie weder bewusst entwickelt noch trainiert. Zeigte sie sich, fühlte es sich an, als bliebe für ihn die Zeit stehen, während sie für den Rest der Welt weiterlief. Er saugte Kleinigkeiten auf, die den meisten Menschen entgingen, und setzte die Puzzlesteine zu einem klaren Bild zusammen. Instinktiv erfasste er, was sein Gegenüber fühlte und plante, und konnte dessen Reaktionen und Handlungen präzise vorhersehen. Als die Gabe in seiner Kindheit zum ersten Mal aufgetaucht war, hatten ihm die Eindrücke und Reize, die ihn überfluteten, eine Höllenangst eingejagt. Im Lauf der Jahre lernte er jedoch, damit umzugehen und sie zu kontrollieren, sodass sie ihren Schrecken verloren hatte. Ihm war klar geworden, dass er sich davor nicht zu fürchten brauchte. Trotzdem sprach er mit niemandem darüber, um nicht für verrückt gehalten zu werden. Ein Sonderling, der keine wirklichen Freunde fand und sich schwer damit tat, neue Bindungen einzugehen, war er ohnehin. Er wollte nicht auch noch als Freak gelten. Zu seinem Bedauern lieferte ihm sein außergewöhnliches Talent ausgerechnet bei Tessa widersprüchliche Erkenntnisse.
Er stellte das Paket neben der Hebebühne ab.
„Du musst den Empfang bestätigen, Ray“, sagte sie.
Sein Herz machte einen Sprung. Sie kannte seinen Namen! Er wischte sich die ölverschmierten Hände an den Hosennähten ab. Während sie den Scanner hielt und er unterschrieb, war er ihr ganz nahe und sog den Duft des Parfums ein, das sie benutzte.
Seit Wochen nahm er sich vor, sie nach einem Date zu fragen, doch es gab subtile Zeichen, die ihn davon abhielten. Ihr Lächeln war warm, ihre Blicke offenbarten Neugier und Interesse, aber schienen ihm zu oberflächlich. Was fehlte, war der Funke, der sie wirklich zum Leuchten brachte. Stets hielt sie eine unsichtbare Barriere zwischen ihnen aufrecht, lehnte sich nie zu ihm hin und suchte seine Nähe, obwohl er spürte, dass sie den Graben überwinden wollte. Etwas hinderte sie daran; etwas, das in ihrem Wesen verborgen lag und sich ihm verschloss, und das verwirrte ihn.
Er gab ihr den Stift zurück und kam sich vor wie ein Idiot. Natürlich kannte sie seinen Namen – er stand auf der Lieferadresse des Pakets.
Tessa stellte sich auf die Zehenspitzen und blickte an ihm vorbei auf den aufgebockten Datsun. Jedes Mal, wenn sie eine Lieferung brachte, geriet er ins Schwärmen über den alten Wagen, der ihm nicht einmal wirklich gehörte. Dann erzählte er ihr, welches Teil er heute ausgetauscht hatte und dass er einen neu entdeckten Schaden beheben wollte, während er zärtlich den stumpfen Lack streichelte. Über Autos konnte er stundenlang reden, doch in Gegenwart feuerroter Locken versagte seine Fantasie. Weiter war er nie gekommen.
Dabei zeigte Tessa jedes Mal echte Neugier, was seine Fortschritte anbetraf. Wahrscheinlich aber interpretierte er zu viel in die Situation hinein und sie hörte ihm aus reiner Höflichkeit zu. Ihre Anwesenheit stürzte ihn in ein Chaos aus widerstreitenden Gefühlen – was vermutlich auch der Grund war, warum seine Gabe bei ihr zu verwirrenden Ergebnissen führte.
„Meine Freunde nennen mich Robo“, sagte er und kam sich dämlich vor.
„Glaubst du, du kriegst ihn bald fahrbereit, Robo?“, fragte sie.
Er fuhr sich verlegen durchs Haar und merkte zu spät, dass er sich mit Maschinenfett beschmierte.
Murat grinste anzüglich hinter der staubigen Glasscheibe des Büros und machte eine obszöne Geste. „Der Datsun wird mal eine große Reise machen“, rief er und lachte. „In die Schrottpresse!“
„Hör nicht auf ihn“, antwortete Ray leise, „er ist ein Arsch.“
„Hab ich auch gemerkt. Du arbeitest schon lange an dem Wagen, oder?“
Ray hatte das Gefühl, als hätte er einen glühenden Faden verschluckt, der sein Herz in zwei Teile zerschnitt. Die eine Hälfte jubelte, weil Tessa verfolgt hatte, was er machte. Das hätte sie nicht getan, wenn sie sich nicht für ihn interessieren würde. Die andere Hälfte schmeckte bitter, denn in ihrer Stimme klang eine Spur von Ungeduld und Zweifel mit. Sie hoffte, dass er den Datsun zurück auf die Straße brachte, und wollte dabei sein, wenn es ihm gelang … aber sie glaubte nicht daran.
„Ich habe lange auf Ersatzteile gespart.“ Er deute...
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